Hitchcock im Garten? - Teil 1

Amseltatort-klein-02Wozu brauche ich einen Fernseher bzw. wozu sollte ich mir einen Thriller anschauen?! Da gehe ich lieber in den Garten und erlebe "The Birds" live, in Farbe und im wahrsten Sinne hautnah, nämlich mit Körperkontakt.

 


Diese Woche will ich mir früh morgens noch ein paar letzte Erdbeeren für mein Frischkorngericht direkt vom Beet ernten. Aaaah, frischer, besser, leckerer als solche Erdbeeren gibt es für mich nicht. Mir läuft alleine bei diesem Gedanken schon wieder das Wasser im Munde zusammen und dabei komme ich gerade vom Mittagessen. Mei, bin ich verfr.... Embarassed

Nun gut. Ich schlappe im Schlafshirt und mit Jogginghose in den Garten zum Erdbeerbeet. Oh Schreck! Da hängt am Rand des Netzes ein Amseljunges fest und guckt ganz kläglich! Aaaarhg, das ist genau das, was frau im Halbschlaf braucht. Für so was hatte ich doch früher immer meinen Vater! Warum passiert mir das jetzt? Warum ist mein Mann schon auf der Arbeit? Das hätte er doch jetzt übernehmen können! Ach nee. So was ist ja nun gar nicht so mein Ding. Ich habe Angst vor Vögeln, die schlagen immer so wild mit den Flügeln und wollen mir sowieso nur die Augen aushacken. Okay, ist übertrieben, aber so fühle ich mich dabei.

Außerdem hatten wir mal einen Wellensittich. Also früher meine ich, in einem früheren Leben, weit weg in Nordrhein-Westfahlen. In meiner ersten eigenen Wohnung. Wir hatten ihn quasi zwangsweise, er war meinen damaligen Schwiegereltern zugeflogen und da sie bereits einen hatten, bekamen wir ihn zur Adoption. Er hatte seinen Käfig auf einem kleinen Schränkchen in dem ich Trockenvorräte hatte. So kam ich eines Tages gut gelaunt von der Arbeit, wollte schnell etwas für uns kochen, rödelte in der Küche rum und unterhielt mich mit meinem Vogel. Manche Stimmen behaupten, das würde ich heute noch machen. Yell

Also, ich rede (wie immer) ohne Punkt und Komma mit Hansi (Name zufällig, weil entfallen). Und zwar genau bis zu dem Punkt, an dem ich Nudeln aus dem Schränkchen holen will. Mache die Schranktüre auf, gucke auf den sandigen Käfigboden - und? Da liegt er! Bewegungslos, mucksmäuschenstill, mausetod. Hiiiiiiilllffe!!!!! Ich geh kaputt! Ich wäre vor Schreck fast rückwärts umgefallen. Und noch gefühlte zweihundert Jahre bis mein damaliger Mann nach Hause kommt.

Meine Hand vervollständigt noch ihre Bewegung und greift die Nudeln. Ob ich die Schranktüre auch wieder zu gemacht habe, weiß ich heute nicht mehr. Später wird Hansi von meinem mutigen, furchtlosen und tapferen "Ehemaligen" vorsichtig in Zeitungspapier eingewickelt und in einer Mülltonne entsorgt. Eine andere Alternative hatten wir damals nicht, wir wohnten mitten in einer größeren Stadt. Ein Jahr später hätten wie einen Schrebergarten gehabt und ihn dort standesgemäß beerdigen können.

Was ich damit sagen will: Dieses Erlebnis hat mir einen gehörigen Schrecken verursacht, inklusive jeder Menge Schuldgefühle. So habe ich zu Vögeln ein speziell schwieriges  und zu Haustieren ein im Allgemeinen schlechtes Verhältnis - ich hatte seit dem (mit einer kurzen Ausnahme für die ich nix konnte) keine mehr. Da verweigere ich mich. Nachher stirbt es wieder einfach so. Nee, nicht mit mir!

Oh, Entschuldigung, ich bin völlig vom Thema abgekommen! Nochmal oh, und der Beitrag ist so schon so lang geworden? Okay. Dann mache ich hier einen Punkt und schreibe die Amselgeschichte in den nächsten Blogbeitrag.

Bis nächste Woche! Laughing

 

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