Hitchcock im Garten? - Teil 2

Amseltatort-klein-02Nachdem ich letzte Woche "etwas" abgeschweift bin, folgt heute der zweite und letzte* Teil meines Vogelerlebnisses der besonderen Art. Zur Erinnerung: Beinahe wach gehe ich in meinen Garten, möchte mir ein paar Erdbeeren für's Frühstück pflücken und finde ein Amseljunges.

 

Kläglich fiept es vor sich hin, guckt mich schräg an und macht ansonsten nicht viel. Ich kann aber erkennen, dass es irgendwie mit dem hinteren Teil im Netz hängt. Okay, es hilft alles nix, da muss gehandelt werden!  Ich mache mein Herz zu Stein, hole mir Lederhandschuhe und Schere aus der Garage und nähere mich vorsichtig dem Vogelkind.

Kaum bin ich bis auf zwei Schritt bei ihm, geht es los: Das Amseljunge flippt völlig aus! Es fängt an zu kreischen, zu flattern und versucht wegzuhüpfen. Alleine das macht mir nicht wenig Angst. Wo soll ich es packen, damit ich es aus dem Netz befreien kann?! Wenn es so weiter macht, verheddert es sich so total, dass gar nichts mehr geht. Oh Mann, äh Vogel!

Ha, und wenn du denkst, da geht nichts mehr, da kommt woanners noch was her! Als wenn die Situation nicht schon befremdlich genug wäre, geht es jetzt erst richtig los:

Aus dem Nichts starten die Amseleltern einen Luft-Boden-Angriff mit allem, was sie zur Verfügung haben. Wild geworden fliegen sie Attaken von links, von rechts, von vorne, von hinten, ich weiß gar nicht, wo sie herkommen oder wie viele es sind. Ich schalte alle Systeme auf Notstrom und konzentriere mich, starre auf das gefangene Vögelein und nähere mich weiter. Dieses gerät schier in Panik, flattert wie an einer Steckdose hängend mit den Flügeln, macht einen auf Herzinfarkt, stürzt kopfüber die Flügel weit auseinander gestreckt zur Seite und rührt sich nicht mehr. Dafür verschärfen seine Eltern die Attaken. Knapp über meinem Kopf und meinen Armen fühle ich die Luftzüge, die ihre Flüge verursachen.

Ich gehe in die Hocke, ziehe den Kopf so gut es geht ein und fange an, das Netz hinter dem Jungen loszuschneiden. Die Amseleltern verschärfen den Angriff, Flügel streifen meine nackten Arme. Durch, durchhalten, es hilft alles nix, es wird heute sicher über 35 ° C, das überlebt das Junge hier in der prallen Sonne nicht. Leute, ich will doch nur helfen! Okay, zumindest ist das Stück Netz hinter dem Jungen schon mal los.

Mein Herz hämmert wie wild und meine Beine überlegen sich, ob sie mich noch aus dem Beet tragen oder gleich aufgeben wollen. Mein Kopf zwingt meine Beine, sich aus dem Schussfeld zu bewegen, weil er vor der nächst größeren Waffe der Angreifer, ihren Schnäbeln, eine mords Angst hat. Die Beine schaffen es sogar bis zurück auf die Terrasse. Langsam verbinden sie sich auch wieder mit dem Rest des Körpers. Meine Atemfrequenz sinkt langsam wieder auf Normalniveau.

Ich trete zunächst einmal den totalen Rückzug an, damit sich die Lage, die Eltern, das Junge und nicht zuletzt ich mich selbst wieder beruhigen.

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*Oh je, jetzt ist der Text schon wieder so lang geworden. Sorry, das gibt damit nächste Woche noch einen dritten Teil. Ich bitte um Verständnis und etwas Geduld.

Immerhin seht Ihr hier statt einer Werbepause zur Beruhigung und Erbauung ein Bild der neben dem Gemüsebeet liegenden Bienen- und Schmetterlingswiese: Wink

 

Schmetterlingswiese-gross-01